Definition
Wer gilt als politisch exponierte Person?
Politisch exponierte Personen (PEPs) stehen an der Spitze politischer oder öffentlicher Machtstrukturen. Sie sind zum Beispiel als Regierungsmitglied, Parlamentarier, Botschafter oder Führungskraft einer staatlichen Organisation tätig. Aufgrund ihres Amtes besitzen sie einen erhöhten Einfluss auf politische Entscheidungen und wirtschaftliche Prozesse. Und damit besteht für sie auch ein erhöhtes Risiko, Zielscheibe für Korruption, Bestechung oder Geldwäsche zu werden.
Als politisch exponierte Person eingestuft zu werden, bedeutet nicht, dass eine Schuldvermutung vorliegt. Es ist Ausdruck einer risikobasierten Schutzmaßnahme. Geschäftsbeziehungen zu politisch exponierten Personen unterliegen strengen Sorgfaltspflichten. Das gilt besonders für das Finanzwesen und bei compliance-relevanten Geschäftsprozessen.
Laut der EU-Geldwäscherichtlinie und dem deutschem Geldwäschegesetz (GwG) ist eine politisch exponierte Person eine natürliche Person, die ein wichtiges öffentliches Amt ausübt oder in den letzten zwölf Monaten ausgeübt hat. Dazu zählen beispielsweise:
- Staats- und Regierungschefs
- Minister und stellvertretende Minister
- Mitglieder von Parlamenten
- Richter oberster Gerichte
- Direktoren staatlicher Unternehmen
- Botschafter und Konsularbeamte
- Mitglieder von Leitungsorganen internationaler Organisationen
Auch Familienmitglieder und nahestehende Personen wie Geschäftspartner oder wirtschaftlich verbundene Dritte können als „mittelbare PEPs“ gelten und fallen damit unter erweiterte Prüfpflichten.
Wie viele PEP haben Ihre Geschäftsbeziehungen? Schützen Sie Ihr Unternehmen vor teuren Fehlentscheidungen – mit einer präzisen, gesetzeskonformen Prüfung.
Gesetzliche Grundlagen
Warum sind PEPs besonders relevant?
Die Verpflichtung zur PEP-Prüfung ergibt sich aus internationalen und nationalen Anti-Geldwäsche-Gesetzen, insbesondere:
- EU-Anti-Geldwäscherichtlinien (AMLD)
- Geldwäschegesetz (GwG, Deutschland)
- FATF-Empfehlungen (Financial Action Task Force)
- US-Regulierungen wie dem Bank Secrecy Act oder dem USA PATRIOT Act
Ziel ist es, finanzielle Transaktionen im In- und Ausland mit erhöhtem Korruptionsrisiko frühzeitig zu erkennen und zu überwachen.
Unternehmen müssen deshalb bereits beim Onboarding-Prozess und während der gesamten Geschäftsbeziehung prüfen, ob ein Kunde oder Geschäftspartner als politisch exponierte Person einzustufen ist.
Was ist zu tun?
PEP-Prüfung in der Praxis
Die Identifikation und Überwachung von politisch exponierten Personen ist Teil des sogenannten Know–Your-Customer-(KYC)-Prozesses und der Geschäftspartnerprüfung. Sie folgen einem risikobasierten Ansatz. In der Praxis bedeutet das:
1. Identifikation:
Bereits bei der Aufnahme einer Geschäftsbeziehung muss geprüft werden, ob die betroffene Person ein öffentliches Amt bekleidet oder bekleidet hat.
2. Risikoeinstufung:
Je nach Funktion, Herkunftsland und Transaktionsart erfolgt eine individuelle Risikoeinstufung (z. B. Hochrisikoland, Offshore-Verbindungen, komplexe Strukturen).
3. Erweiterte Sorgfaltspflichten:
Liegt eine PEP-Eigenschaft vor, müssen Unternehmen:
- die Herkunft der Vermögenswerte prüfen
- die Transaktionen verstärkt überwachen
- die Geschäftsbeziehung von der Geschäftsführung genehmigen lassen
- regelmäßige Re-Checks und Monitoring etablieren
4. Dokumentation:
Alle Prüfungen müssen vollständig dokumentiert und im Zweifel gegenüber Aufsichtsbehörden nachvollziehbar sein.
Wer muss prüfen?
Warum sind PEPs besonders relevant?
Die Pflicht zur PEP-Identifikation betrifft nicht nur Banken und Versicherungen, sondern alle nach dem GwG verpflichteten Unternehmen, darunter:
- Finanzdienstleister, Kreditinstitute
- Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte
- Immobilienmakler, Notare
- Kunsthändler, Edelmetallhändler
- Glücksspielanbieter
- große Unternehmen mit internationalem Kundenportfolio
Auch Unternehmen mit Lieferkettenverantwortung, z. B. im Rahmen des LkSG oder der EU-Lieferkettenrichtlinie (CSDDD), sollten politische Nähe bei der Geschäftspartnerprüfung berücksichtigen.
Herausforderungen
Worauf muss ich bei der PEP-Erkennung achten?
Die Erkennung politisch exponierter Personen ist oft nicht trivial. Insbesondere bei internationalen Geschäftsbeziehungen oder komplexen Eigentümerstrukturen. Folgende Faktoren erschweren die Prüfung:
- Uneinheitliche Namensschreibweisen
- Sprachbarrieren
- Verdeckte wirtschaftliche Verflechtungen
- Fehlende zentrale PEP-Register
- Wechselwirkungen zwischen PEP-Status und wirtschaftlicher Berechtigung
Deshalb setzen viele Unternehmen auf digitale PEP-Prüfsysteme, die auf internationale Datenbanken, Sanktionslisten, Pressequellen und KI-gestützte Risikoindikatoren zugreifen.
Gültigkeit
Wie lange gilt jemand als politisch exponierte Person?
Die gesetzlich vorgeschriebene Betrachtungsdauer beträgt in Deutschland mindestens 12 Monate nach Ende des öffentlichen Amtes. Danach sollte allerdings immer noch eine Einzelfallprüfung auf fortbestehendes Risiko erfolgen.
Ein ehemaliger Minister kann beispielsweise noch Jahre später durch Einfluss, Netzwerke oder wirtschaftliche Beziehungen als risikobehaftet gelten.
Beispiele
Risikofälle aus der Praxis
Typische Szenarien, in denen eine PEP-Prüfung relevant wird:
Szenario
Ein ausländischer Diplomat eröffnet ein Konto
Relevanz
PEP-Status + Herkunftsland mit erhöhtem Risiko
Szenario
Eine GmbH wird von der Tochter eines Regierungsmitglieds gegründet
Relevanz
Mittelbare PEP-Beziehung über Familienmitglied
Szenario
Ein ehemaliger Minister beteiligt sich an einem Infrastrukturprojekt
Relevanz
Nachlaufende PEP-Pflicht trotz Mandatsende
Szenario
Ein Unternehmen hat einen Hauptkunden aus einer Offshore-Struktur mit politischem Einfluss
Relevanz
Komplexität + Risikoflaggen erfordern tiefergehende Prüfung
Szenario
Relevanz
Ein ausländischer Diplomat eröffnet ein Konto
PEP-Status + Herkunftsland mit erhöhtem Risiko
Eine GmbH wird von der Tochter eines Regierungsmitglieds gegründet
Mittelbare PEP-Beziehung über Familienmitglied
Ein ehemaliger Minister beteiligt sich an einem Infrastrukturprojekt
Nachlaufende PEP-Pflicht trotz Mandatsende
Ein Unternehmen hat einen Hauptkunden aus einer Offshore-Struktur mit politischem Einfluss
Komplexität + Risikoflaggen erfordern tiefergehende Prüfung
Bedeutung
Compliance und Reputation
Die Nichteinhaltung der PEP-Prüfpflicht kann zu empfindlichen Bußgeldern, aufsichtsrechtlichen Maßnahmen und massivem Reputationsverlust führen. Daher ist die Integration in Compliance-Systeme ein Muss:
- Automatisierte PEP-Checks im KYC-Prozess
- Schnittstellen zu Sanktions- und Watchlists
- Revisionssichere Dokumentation
- Schulung von Mitarbeitenden
Mit einem verlässlichen PEP-Prüfsystem, klaren Prozessen und einer fundierten Risikobewertung behalten Unternehmen die Kontrolle und schützen sich vor unerwarteten Enthüllungen im internationalen Geschäft.
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