Definition
Was regeln die ESRS?
Die ESRS (Europäische Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung) bilden den verbindlichen Rahmen, nach dem Unternehmen in der EU über ihre Auswirkungen, Risiken und Chancen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance (ESG) berichten müssen. Sie wurden auf Basis der EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD, 2022/2464) entwickelt und legen fest, welche Informationen wie offenzulegen sind.
Ziele und Bedeutung
Warum sind die ESRS so wichtig?
Vergleichbarkeit schaffen: Durch einheitliche Standards werden Nachhaltigkeitsinformationen verschiedener Unternehmen systematisch für Investoren, Geschäftspartner und Aufsichtsbehörden vergleichbar.
Transparenz über Auswirkungen: Unternehmen müssen offenlegen, wie ihre Tätigkeiten Menschen und Umwelt beeinflussen, nicht nur innerhalb des eigenen Betriebs, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Doppelte Wesentlichkeit: Das Kernprinzip der ESRS verlangt eine Betrachtung aus zwei Richtungen. Einerseits wird betrachtet, wie das Unternehmen auf Menschen und Umwelt wirkt. Andererseits wird analysiert, wie Nachhaltigkeitsrisiken das Unternehmen selbst betreffen.
Kapitalmarktrelevanz: Die offengelegten Informationen fließen direkt in Investitionsentscheidungen, Kreditvergaben und ESG-Ratings ein und beeinflussen damit den Zugang zu Kapital.
Entwicklung und Versionen
Wie haben sich die ESRS entwickelt?
NFRD (vor 2022): Die Non-Financial Reporting Directive verpflichtete nur große kapitalmarktorientierte Unternehmen sowie Banken und Versicherungen. zu rudimentärer nichtfinanzieller Berichterstattung, ohne einheitliche Standards oder Prüfpflicht.
CSRD & erste ESRS-Set (2023): Mit der Corporate Sustainability Reporting Directive wurde der Anwendungsbereich massiv ausgeweitet. Die ersten zwölf sektorunabhängigen ESRS (ESRS 1, ESRS 2 sowie E1–E5, S1–S4, G1) traten in Kraft.
EU-Omnibus-Paket (2025/2026): Die EU-Kommission schlug im Februar 2025 weitreichende Vereinfachungen vor, darunter eine deutliche Einschränkung des berichtspflichtigen Unternehmenskreises auf Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von über 450 Millionen Euro. Zwischen Parlament und Rat wurde eine politische Einigung erzielt. Am 18. März 2026 trat das Omnibus-Paket offiziell in Kraft.
Betroffene Akteure
An wen richten sich die ESRS?
Die ESRS richten sich an Unternehmen, die unter die EU-Nachhaltigkeitsberichtspflicht (CSRD) fallen. Welche Unternehmen das konkret sind, richtet sich nach Größenkriterien wie Mitarbeiterzahl und Jahresumsatz und wird stufenweise eingeführt. Mittelbar betroffen sind auch Unternehmen, die selbst nicht berichtspflichtig sind: Wer als Lieferant für Großunternehmen tätig ist, wird zunehmend Nachhaltigkeitsdaten bereitstellen müssen. Da sich der Anwendungsbereich durch die sich ändernde EU-Gesetzgebung weiterentwickelt, empfiehlt sich ein Blick in unseren CSRD-Artikel für die jeweils geltenden Schwellenwerte und Fristen.
Kernpflichten
Welche Anforderungen gelten unter den ESRS?
Analyse: Ermittlung aller relevanten ESG-Themen aus Auswirkungs- und Finanzperspektive als Ausgangspunkt jeder Berichterstattung.
Governance-Angaben: Offenlegung, wie Nachhaltigkeitsthemen in Unternehmensführung, Vorstand und Vergütungssystemen verankert sind.
Strategie & Geschäftsmodell: Darstellung, wie wesentliche Nachhaltigkeitsaspekte die Unternehmensstrategie und Wertschöpfungskette beeinflussen.
Maßnahmen, Parameter & Ziele: Konkrete Angaben zu ergriffenen und geplanten Maßnahmen sowie messbare Ziele und deren Fortschritt.
Sorgfaltspflicht (Due Diligence): Dokumentation der Prozesse zur Erkennung und zum Umgang mit negativen Auswirkungen auf Menschen und Umwelt.
Prüfpflicht: Die Nachhaltigkeitserklärung muss in den Lagebericht integriert und von einem Prüfer extern bestätigt werden.
Ausblick
Welche Herausforderungen bestehen bei der Umsetzung der ESRS?
Der Datenbeschaffungsaufwand entlang komplexer globaler Lieferketten ist enorm, insbesondere, wenn Lieferanten selbst nicht berichtspflichtig sind und keine strukturierten Nachhaltigkeitsdaten liefern. Gleichzeitig erfordert die doppelte Wesentlichkeitsanalyse fundiertes methodisches Know-how und klare interne Prozesse.
Viele Unternehmen stehen vor der Herausforderung, bestehende Systeme für Finanz- und Nachhaltigkeitsdaten zu verknüpfen, da die ESRS eine enge Verbindung beider Bereiche einfordern. Die laufende Weiterentwicklung der Standards durch sektorspezifische Ergänzungen und politische Anpassungen, wie das EU-Omnibus-Paket, macht eine kontinuierliche Beobachtung und Anpassung der internen Compliance-Prozesse unerlässlich.
(Zum Nachschauen: ESRS Nachhaltigkeitsberichterstattung)
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